Die psyAllmende und der Reichtum in den tagtäglichen Beziehungen –

Denis Postle Independent Practitioners Network

Dieser Artikel erschien in der der Zeitschrift Therapy Today des UK Counselling Journal,  Ausgabe April 2013

Es leben etwa 60 Millionen Menschen in diesem Land. Wir werden geboren, wir überleben die elterliche und schulische Erziehung, wir ver- und entlieben uns, wir entwickeln oder übernehmen genug Wissen über das, was das Leben anbietet, um durchzukommen. Einige schlagen sich gut; andere weniger. Wenn wir den Statistiken glauben können, scheinen es 45 Millionen von uns ohne Hilfe der psychologischen Berufe zu schaffen.

Wir die wir es schaffen,  schaffen es, so denke ich, dank der psyAllmende. PsyAllmende benennt das allumfassende Netz von Beziehungen zwischen den Menschen mithilfe dessen wir den Alltag bewältigen. PsyAllmende, das sind die Überzeugungen, die Meinungen und insbesondere die aus Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse, die wir alle zu unserem Stückchen Menschsein, der Conditio humana,  beitragen.
Wenn wir diese Fähigkeiten des gesunden Menschenverstands als „psyAllmende“ bezeichnen, so würdigen wir damit die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen wir Einsichten, Gefühle und Schwierigkeiten in unserem Alltag einbringen: in der Kindererziehung, beim Erwachsenwerden, bei der Alten- und Behindertenpflege, indem wir wieder und wieder die Liebe finden, die uns und anderen zu Gedeihen und Erfolg verhilft, indem wir Nachbarn unterstützen, die von Ungemach heimgesucht werden, indem wir mit Freunden und Familien die grossen Momente des Lebens feierlich begehen. Mit den Worten meines Kollegen Andy Rogers (1)ausgedrückt, ist die psyAllmende eine reichlich sprudelnde Quelle von „alltäglicher Weisheit“ und auch, allerdings weniger unumstritten, „geteilter Macht“.

Die Luft, die wir atmen, das Funkspektrum, die Weltmeere und das Land, das wir bewohnen – sie alle sind “Allmenden”, oder “gemeinschaftliche Güter”; sie gehören uns, und wir gehören ihnen.

Die psyAllmende ist auch eine von diesen Allmenden. Und, parallel zur Geschichte der Einhegung der Bodenallmende  im Vereinigten Königreich und andernorts, hat auch die psyAllmende ihre Einhegungen. So wie die Politik sich unbemerkt in unser tägliches Leben einschleichen kann, haben die psyBerufe, die Psychiatrie, die Psychologie, die Psychoanalyse und die psychologische Beratung, die psyAllmende eingehegt.

Die Einhegungen

Einhegungen sind im Vereinigten Königreich nichts Neues. David Bollier erinnert uns: (2) „1876, nach 4000 Parlamentsbeschlüssen, befanden sich mehr als 98 Prozent des Agrarlandes in England und Wales im Besitz von weniger als einem Prozent der Bevölkerung.“ Wenn wir uns einmal kurz vorstellen, die psyAllmende sei ein Stück Land, dann haben die PsyBerufe Teile dieses Grundstücks eingehegt, zu ihrem Eigentum erklärt, und, wie marxistische Ökonomen sagen würden, sich durch Monopolrenten daraus Wert verschafft.

Harte Worte, denken Sie vielleicht, aber war nicht das Ziel der Professionalisierung von Beratung und Psychotherapie– des Kampfs um einen privilegierten Status durch staatliche Anerkennung – in den letzten 20 Jahren die Verteidigung und die Verstärkung dieser Einhegungen der psyAllmende, vorgeblich, um das Interesse der Klienten zu schützen?

Als ich diese Sicht der psyAllmende bedachte und ihre psyEinhegungen immer deutlicher wurden, stellten sich für mich noch zwei weitere Fragen. Warum wurde soviel Energie aufgewendet, um diese Einhegungen zu verteidigen?  Etwa weil in den vergangenen Jahrzehnten, durch Weiterbildungskurse in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst, das Wissen und die Autorität, die in den psyEinhegungen bewahrt wurden, entwichen sind – sich in der psyAllmende verbreitet haben? Und, zweitens (ein noch unangenehmerer Aspekt dieser professionallen Einhegungen der psyAllmende), woher kommen denn unsere gesammelten Fachkenntnisse und unser psyWissen?

Die Antwort ist doch, daß die psychologischen Erkenntnisse aus den Beziehungen mit „Klienten“, „Patienten“ und „Nutzern von Dienstleitungen“ stammen. Diese Beziehungen generieren Wissen; sie helfen Klienten und die psyBerufe  gewinnen daraus Fachkenntnisse und Fachwissen.

Für mich ist es schockierend, dass wir eine Art Monopolauswertung begangen haben, insofern wir zu dieser Ansammlung von Wissen und vor allem seiner professionellen Ausschliessbarkeit beigetragen haben. Allmählich wird mir klar, daß die professionellen Einhegungen ein verstecktes Ziel haben: für die psyBerufe bildet die psyAllmende ein gemeinschaftliches Gut, das sie wie Bodenschätze schürfen können.

Dies Schürfen der psyAllmende findet nun schon seit mindestens 100 Jahren statt. Aus den Beziehungen mit Klienten wurden rohe Erfahrungen entnommen, sodann bearbeitet und in ein Produkt oder eine Dienstleistung destilliert, für die wir als Berufsstand, wie oben erwähnt, eine Monopolrente oder ein Honorar erheben können.

Aber ist das nicht die gesellschaftliche Norm? Ist solches Wissen nicht eines der Produkte der Zivilisation? Muß uns dieser Schürfvorgang etwas angehen?

Ja, denn historisch gesehen folgen die psyEinhegungen einem medizischen Modell des menschlichen Funktionierens und verstärken es noch, und dadurch entstand, gekoppelt mit darin (das gilt für manche mehr als für andere) eingehegten Kenntnissen, eine konkrete soziale Kategorie, nämlich die der “Geisteskrankheit”. „Geisteskrankheit“ ist ein Produkt  der professionellen psychologischen Einhegungen.

Als “geisteskrank” diagnostiziert zu werden ist keine Kleinigkeit. Man gewinnt dadurch vielleicht Zugang zu wertvollen Hilfsmitteln, aber begleitet wird diese Diagnose von einem  Stigma, das unter Umständen eine Grenze zieht zwischen „Krankheit“ und „Gesundheit“.

Ich habe allmählich den Verdacht, dass dieses Stigma der „Geisteskrankheit“ die Grenzen widerspiegelt zwischen den professionallen psyEinhegungen und der psyAllmende: die Ausschliessbarkeit der psyEinhegungen schafft und verschärft eine Entfremdung zwischen Menschen, die punktuelle, intensive, aber vielleicht vorübergehende Schwierigkeiten haben und der übrigen Bevölkerung der psyAllmende.

 

Eine reichhaltige Ökologie

Was könnte dies für die Zukunft von Beratung und Psychotherapie bedeuten?

Wie die Occupy-Bewegung betont, ist die Beschlagnahmung der Reichtümer dieser Welt durch ein Prozent der Bevölkerung nicht hinnehmbar.(3) Es gibt vielleicht etwa 200,000 Psychopraktiker im Vereinigten Königreich – Berater, Psychologen und Psychiater. Das ist weit weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Kann es nicht sein, daß die Einhegungen der psyAllmende auf die gleichen historischen, sozialen und politischen Ursprünge zurückgehen? Und ebenso ungerecht sind?

Ich finde schon. Und wenn ich richtig liege, was können wir tun? Wie kann diese Vision einer psyAllmende Psychotherapie- und Beratungspraktiker in eine Richtung lenken, die gerechter wäre – und Erneuerung oder Restaurierung mit sich bringen könnte?

Als erstes muß das Ausmaß der psyAllmende gesehen werden. Sie ist eine lebendige, wachsende Vielfalt – eine reichhaltige Ökologie von Verhandlungen, Gesprächen, Zusammenkünften unter Familien, Freunden, Arbeitskollegen und unzähligen Interessengruppen im weitesten Sinne des Wortes – die Unzahl von Kontakten zwischen 60 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich. Ich möchte in diesem Zusammenhang das Blühen und Gedeihen dieser psyAllmende  fördern. Ich möchte, dass wir aufhören,  die Einhegungen zu verteidigen und unsere Aufmerksamkeit stattdessen auf  „alltägliche Weisheit“ und „geteilte Macht“  der psyAllmende konzentrieren.

Ich will damit nicht die grossen Probleme leugnen, die viele Praktiker im Moment auf Grund des wirtschaftlichen Drucks plagt, denke aber, es wäre sehr schade, wenn wir, weil wir die psyEinhegungen erhalten und verteidigungen, nicht bemerken oder falsch verstehen, wo wir an diesem Punkt der sozialen und politischen Geschichte stehen. Ich glaube nämlich, dass uns das Internet eine Gutenberg-Wende beschert hat: eine Entwicklung wie sie ausgelöst wurde, als das Monopol der Kirche für die Erstellung von Texten und – was man allzu  leicht vergisst – die Fähigkeit sie zu lesen, zerbrach.

Graswurzelaktionen

Wenn Sie bei Google “panic attacks” (Panikanfälle) eingeben, erhalten sie (im Englischen, Anm. der Übers) 28 Millionen Seiten Information; bei „depression“ 364 Millionen Seiten. Das Internet hat sich vor kurzem für meine Familie als sehr wertvoll erwiesen, als wir damit fertigwerden mussten, dass ein geschätztes Familienmitglied erste Anzeichen von Demenz zeigte. Als begleitende Unterstützung für das intensive Lernen durch die persönliche Erfahrung war das Internet  von unschätzbarem Wert, und liess alles, was von den medizinischen und sozialen Diensten kam, als veraltet und irrelevant erscheinen.

Ich plädiere nicht etwa für eine Art von Technutopia – jede Techologie erweitert und beschneidet die menschlichen Fähigkeiten – aber es ist kaum zu bezweifeln, dass das Erscheinen des World Wide Web die professionellen Monopole auf die aus der psyAllmende destillierten Fachkenntnisse zerbrochen hat.
Wenn, wie ich beschrieben habe, die psyAllmende sich um sich selbst kümmert; wenn wir als Therapeuten ihr Primat anerkennen, sie bei unserer Arbeit als psychosozialen Rahmen berücksichtigen, dann nähern wir uns vielleicht einem Punkt, an dem wir umdenken, unsere beruflichen Wertvorstellungen neu überprüfen müssen.

Das klingt möglicherweise zu radikal, aber hat die Zukunft nicht schon begonnen? In vielfacher Weise hat sich der Konsum professioneller  Dienstleistungen schon seit langem verändert:  Affinitäten an der Graswurzel führten zur Bildung von Selbsthilfegruppen und Gruppen für Menschen mit speziellen Bedürfnissen, häufig an der Grenze zwischen offiziellen Einrichtungen der Gesundheitspflege bzw  den Sozialämtern angesiedelt, und die sich selbständig machen in Gemeinden und gemeinschaftlicher Entwicklung.

Bei der Recherche für diesen Artikel fand ich mehr als Tausend Initiativen in Vereinigten Königreich, in denen die Macht neu verteilt, geteilt oder gemeinsam verwaltet wird. Zum Ende dieses Artikels seien im folgenden vier Beispiele beschrieben.

Anonyme Alkoholiker

Anonyme Alkoholiker (AA) und die in den gleichen Zusammenhang gehörigen 12-Schritte-Programme sind ein starker und weit verbreiteter Ausdruck der psyAllmende.  In Gehweite von meinem Wohnsitz in Westlondon gibt es mindestens 15 wöchentlich stattfindende AA Meetings. Sie sind ein deutliches Beispiel dafür, wie ein gemeinsames Anliegen – der Wunsch, den Alkohol aufzugeben – durch einen auf der Graswurzelebene entstandenen, expertenfreien, auf Zusammenarbeit basierenden Befragungsprozess (cooperative enquiry)  verfolgt werden kann.

Es wird ein schlichter Saal angemietet, Neulinge werden begrüßt, jemand kocht Tee, man stellt sich vor, nur mit Vornamen, und eine Stunde oder länger sprechen die Teilnehmer über ihre jeweiligen Erfahrungen mit dem Ziel, nüchtern zu bleiben. Manchmal folgen auch Lesungen aus den über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen der AA-Kultur, zur Ermutigung und Inspiration. Es werden Spenden gesammelt; die Teilnahme ist freiwillig; die einzige Pflicht ist die Aufgabe, nüchtern zu bleiben. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit werden geschätzt, aber nicht zwingend verlangt. Anonymität und Diskretion sorgen für  Sicherheit und Vertrauen und dafür, daß das Meeting sicher im Hier und Jetzt gehalten wird.

Co-counselling
Co-counselling blickt auf eine lange und ehrenvolle Geschichte zurück, meiner Ansicht nach wurde sein Wert als sehr wirkungsvolle Form selbstbestimmter Ausbildung dadurch überschattet dass in den 90er Jahren der Fokus der Lernenden sich mehr auf arbeitsplatz-orientierte Weiterbildung und auf Qualifikationserwerb richtete. Die Methode ist aber weiterhin beliebt und erfolgreich im Vereinigten Königreich, auf dem europäischen Kontinent und in den USA und Kanada.

Beim Co-counselling liegt der Wert ausdrücklich und grundsätzlich auf der geteilten Machtausübung. In einer 40-stündigen Ausbildung in Theorie und Praxis des Co-counselling beginnen die Teilnehmer ihre Entwicklung zu qualifizierten Klienten. Die Rollen von Klient und Berater werden in alternierenden Sitzungen vertauscht, wobei jeweils der „Klient“ das Sagen hat. Der „Berater“ lernt, wie man dem Klienten ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und auf Interpretationen, Ratschläge und das Einstreuen persönlicher Erfahrungen verzichtet .

Co-counselling geht von der Überzeugung aus, daß der Mensch grundsätzlich intelligent, verantwortungsvoll und  kooperationsfähig ist, sowie in der Lage, zwischen den eigenen und den Interessen anderer einen Ausgleich zu finden.  Man könnte es als Träger für die psyAllmende-Prinzipien von geteilter Macht und alltäglicher Weisheit betrachten.  Es braucht zwar langfristiges Engagement und Mut, wenn man seine Möglichkeiten voll ausschöpfen will,  aber das Modell vom Funktionieren des Menschen, auf dem es basiert, kann, was den Nutzen angeht, mit allen anderen Methoden der Arbeit mit der Conditio humana mithalten, die ich kenne.

Mumsnet (Ein Netzwerk von und für Eltern)

Im Jahre 2000 veranlasste ein katastrophales Ferienerlebnis Justine Roberts and Carrie Longton Mumsnet (www.mumsnet.com) zu gründen, eine Webseite, die Eltern das Leben erleichtern sollte durch ein Forum, in dem sie kollektives Wissen, Ratschläge und Unterstützung sammeln und weitergeben konnten. Mumsnet beschreibt sich selbst als „von Eltern für Eltern“. Inzwischen ist es das nachgefragteste Elternnetz des Vereinigten Königreichs, es werden  im Monat 50 Millionen Seiten aufgeschlagen und sieben Millionen Besuche gezählt.

Mumsnet bietet eine Staffel von Internetforen für Gespräche, Diskussionen, Ankündigungen, Kontroversen und Kampagnen zum Thema Elternschaft. Der ganze Inhalt ist öffentlich, kann von jedermann gelesen werden, und jeder kann sich zum Mitmachen anmelden, kostenlos und anonym.

Diese riesige Ressource ist leicht zugreifbar aber schwer zusammenzufassen. Ich suchte nach ein paar gemeinsamen Anliegen: bei „Alzheimer“ kamen 629 Antworten; bei „Nervenzusammenbruch“ 2,570; „Teenagerprobleme“ 8,580. Das beliebteste Thema lautet „ Bin ich etwa unvernünftig?“ – 265,000 Antworten.

 

Ich suchte nach Teilnehmern, die sich zu Mumsnet geäussert hatten. Ich fand Kommentare wie: „Ich bin seit 7.5 Jahren dabei und liebe euch verdammt nochmal auch alle!“ „MN hat mir mit unzähligen Stunden voller Lachen und Klatschgeschichten über schreckliche Schwangerschaftsübelkeit, postnatale Depression und Nächte voll Babygeschrei hinweggeholfen“; „…ich sprach mit ein paar Leuten, als meine Tochter 11 Jahre alt war, und ich spreche noch immer mit denselben Leuten, und sie ist heute 17. Es gibt ein paar ganz tolle Leute bei Mumsnet.“

Ähnlich wie bei den AA, fühlen sich die Teilnehmer auch bei Mumsnet sicher und vertraulich behandelt auf Grund der Anonymität, und das hat eine reiche Spezialsprache hervorgebracht; die zahllosen Textgespräche zeigen das Innenleben (oft auch buchstäblich!) der Frauen und setzen sich mit ungeschminkter Offenheit und Humor für Themen ein wie flexible Arbeitszeiten, Familienfreundlichkeit, das ständige Jonglieren und die Wirtschaftslage. Mumnet symbolisiert die geteilte Macht und die alltägliche Weisheit, von der der Begriff psyAllmende spricht und zeigt eine Möglichkeit, sie zu vertiefen und mit Leben zu erfüllen.

 

Strong Roots  (wörtlich: Starke Wurzeln)

Im Jahre 2006 von Lucy Scurfield gegründet, beschreibt sich Strong Roots als ein therapeutischen Gartenprojekt (siehe www.strongroots.org.uk). Im Grunde handelt es sich um ein Stück Land in Norwich, wo Menschen zusammenkommen, um sich weiterzubilden und Zugehörigkeit, Kameradschaft und Freude an der gemeinsamen Aufgabe des Gärtnerns zu erfahren.

Strong Roots kann auch gesehen werden als ein Prozess der gemeinsamen kooperativen Selbsterforschung (cooperative enquiry), mit Blick auf die persönliche Entwicklungsaufgabe “sich wachsen zu lassen“. Woraus die persönliche Entwicklung genau besteht, das bleibt der Entscheidung der jeweiligen Teilnehmer überlassen. Das kann Nichtstun sein, einzelgängerische Kommunion mit der Erde und gemeinsame Gartenarbeit, Gruppengespräche und Selbstoffenbarungen, wobei auch die Möglichkeit intensiverer Sessions zu zweit besteht. Aber alles dreht sich um die Erfahrung des Gärtnerns und des Gartenbaus – eine aussagestarke Metapher für Pflege, Kümmere und Wachstum.

Die Einrichtungen bei Strong Roots sind bescheiden: eine Komposttoilette, hölzerne Bänke, ein Sommerhaus, sowie Gartengeräte und Gärtnereibedarf. Auf dem Grundstück stehen mehrere tragende Obstbäume, und es gibt viele Beete, einige für Blumen und Fauna, andere für eine Fruchtfolge von Gemüse.

Die Teilnehmer berichten von ihrer Erfahrung: “Bei Strong Roots konnte ich mich finden und Selbstbewußtsein entwickeln. Seitdem ich dabei bin, habe ich Gewohnheiten abgelegt, die nicht gerade gut waren und gehe seither viel klarer und stärker durch’s Leben.“ „In kleinen Räumen kriege ich Platzangst, hier draussen fühle ich mich offener. Es fällt mir leichter zu reden, weil es hier friedlich, aber nicht total still ist“; „ Ich komme gerne zu Strong Roots weil es hier ruhig und therapeutisch zugeht und ich mich in meiner Haut wohlfühle. Ich sehe auch gerne den Schmetterlingen und Bienen zu, wie sie zwischen den Blumen fliegen…Ich fühle mich wohl in meiner Haut, wenn ich über verschiedene Probleme spreche.“

Wenn wir davon ausgehen, dass Menschen in einer sicheren und vertrauensvollen Umgebung blühen und zu gedeihen, dann bietet Strong Roots einen leicht zugänglichen Weg zu persönlicher Entwicklung. Für die psyAllmende ist Strong Roots in zweifacher Hinsicht relevant: es erinnert uns daran, dass ein solches Engagement auch unabhängig von Krisen bestehen kann und demonstriert, wie durch die Machtteilung, die Qualifikationen und Erfahrungen von Praktikern nutzbringend eingesetzt und weitergegeben werden können.

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Nach mehreren Jahrzehnten als Filmemacher im Fernsehen liess Denis Postle sich in den 1980er Jahren als Gruppenfacilitator ausbilden und unterrichtete später Facilitation an der Universität Surrey. Während dieser Zeit entwickelte er eine Form intensiver one-to-one Facilitation, mit Elementen aus Beratung und Psychotherapie und gründete später mit anderen das Independent Practitioners Network.

Für weitere Einzelheiten des psyAllmende-Vorschlags und um an seiner Weiterentwicklung teilzunehmen, besuchen Sie bitte den psyAllmende blog:https://psycommons.wordpress.com

Quellenangaben:

(1) Persönliche Mitteilung.

(2) David Bollier. Reclaiming the commons. Boston Review 2002; 27(3). See          http://bostonreview.net/BR27.3/bollier.html

(3) Siehe http://www.occupytogether.org

 

 

 

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